Kunst & Architektur #3 DIE INSPIRATION

Die Zeit ist eine Funktion des Raumes.
Und der Raum ist eine erstaunliche Funktion der Zeit.

Diese Erkenntnis liefert den Impuls für die formale Entwicklung des Kunstwerks. Die Zeit liegt also geborgen im Raum, vor uns, in uns:

Dann nehmen wir doch einfach das was da ist, das Bestehende. Wir nehmen das Feste, das fest gebaute Raster dieser funktionellen Architektur und bringen es durch eine künstlerische Intervention in Bewegung. Wir »dynamisieren« dieses Haus. Wir »organ«isieren diese Gebäudestruktur neu und tun dies mit den Mitteln, die sich direkt aus der Architektur ableiten. Wir tun es mit den Mitteln einer digitalen Netzstruktur, die wir unmittelbar von den bestehenden physikalischen und architektonischen Bedingungen vor Ort ableiten.

Damit öffnet sich ein ZeitRaum – oder eben auch eine RaumZeit – die mitten im Dresdener Alltag eine zusätzliche Tiefe erzeugt: In dieser Tiefe leben dann auch die Zeit davor, wo das Haus still stand, und die Zeit danach, wo es dann schon belebt ist, gemeinsam weiter. Und ja, es wirkt auch jene Zeit weiter, wo genau an dieser Stelle 600 Jahre lang die einzige gotische Kirche Dresdens stand, die gegen den Willen der Bevölkerung in einem Willkürakt der DDR Regierung abgerissen wurde: die Sophienkirche. Wo der Schmerz, wo die Wunde in dieser Stadt heute noch spürbar ist, da ist Kunst das Licht.

Kunst als Lichthaut, als Lichtaura ist das kraftvolle Symbol für ein tiefes Verständnis von Lebendigkeit. Dieses Licht ist eine Verbindungsstelle, gleichsam das »Wurmloch«, das Dimensionen verbindet – zwischen dem toten Haus und dem Lebendigen Haus, zwischen Vergangenheit und Zukunft. Eine Raum-Zeit-Spiegelung mit historischer und gesellschaftlicher Dimension. Heilung.